Raunächte- Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren

Was Dich erwartet

In diesem Blogbeitrag geht es um die Raunächte, ihre Bedeutung, wie wir sie gut für uns nutzen können, um das alte Jahr dankend gehen zu lassen und das neue Jahr zielorientiert willkommen zu heißen. Es geht, ganz im Sinne von Tabula Rasa 2.0, darum, sich von alten, ungesunden Glaubenssätzen und Verhaltensweisen zu lösen und neue gesunde Verhaltens und Denkweisen zu üben, zu festigen und langfristig in den Alltag zu integrieren.  

Raunächte – Tage außerhalb der Zeit

Die Raunächte, auch Rauhnächte, gehen vermutlich auf den germanischen Mondkalender zurück. Dieser hatte ein Jahr mit zwölf Mondmonaten und demnach 354 Tagen. Die zum heutigen Sonnenkalender mit 365 Tagen fehlenden elf Tage – bzw. zwölf Nächte – sind, aus Sicht des Mondkalenders, mit dem Wissen um den Sonnenkalender, Tage außerhalb der Zeit. (1)

Diese Tage außerhalb der Zeit sind für viele von uns arbeitsfreie Tage. Durch die vorbereitenden Adventsonntage, das Raunächte-einleitende Weihnachten bei herz-wärmenden Kerzenlicht, Liedern, im Kreise der Familie kommen wir zur Ruhe und erleben zwischen den Jahren eine ruhige und entschleunigte Zeit. Sie wirkt durch die kurzen Tage um die Wintersonnenwenden mit dem 21.Dezember immer auch mystisch.

Raunächte- Rück- und Innenschau

Mit dem Wissen, dass die Tage wieder länger werden und das neue Jahr vor der Tür steht, regt sich Hoffnung in uns. Alle Jahre wieder, wünschen sich viele, dass das nächste Jahr besser wird, als das vorangegangene, häufig ohne genau zu schauen, was alles erreicht wurde und ohne Dankbarkeit und Wertschätzung für das Erreichte, aber auch für die Herausforderungen, die das Leben für uns bereit gehalten hat.

Diese Dankbarkeit und Wertschätzung allerdings, sind es, die uns aus unserem tiefsten Innern heraus glücklich, zufrieden, entspannt und gesund sein lassen. Dankbarkeit und Wertschätzung helfen uns, die Herausforderungen unseres Lebens anzunehmen, ohne dauerhaft den Ist-Zustand bekämpfen zu wollen, weil er noch nicht und niemals einen dauerhaften Zustand von Euphorie, Sicherheit und Fülle in uns auslöst.

Die Einflüsse von Sonne und Mond führen eine tiefe Empfindsamkeit herbei, die sich nutzen lässt, um

  • im Innen aufzuräumen,
  • Altes, das nicht mehr gebraucht wird, das nicht mehr nährt, dankbar und wertschätzend gehen zu lassen,
  • zu regenerieren,
  • die eigenen Wünsche und Bedürfnisse abzufragen.
  • Neue Ziele zu visualisieren und
  • sich fest mit den eigenen kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Zielen zu verbinden,
  • Schritte zur Wunscherfüllung zu reflektieren,
  • sich zu fokussieren und
  • zu erden.

Raunächte- ein Blick in die Zukunft

Neben der dankbaren Rückschau und einer wertschätzenden Innenschau ermöglichen die Rituale der Raunächte auch einen Blick in die Zukunft. „Die zwölf Tage zwischen Weihnachten und Dreikönig als altem Jahresbeginn wurden für die Wetterprognose mit den zwölf Monaten analog gesetzt“ (1).

In den neuzeitlichen Raunacht-Ritualen stehen die 12 Tage bzw. Nächte ebenso für die kommenden Monate des neuen Jahres. Jede Raunacht steht chronologisch für einen Monat im kommenden Jahr: die erste für den Januar, die zweite für den Februar usw. (siehe Tabelle).

Es lohnt sehr, in dieser Zeit Tagebuch zu führen. Das Führen eines Tagebuches übt uns in dieser sensiblen, ruhigen Zeit auch in mehr Achtsamkeit und verbindet uns mit uns selbst. Jeder Tag darf hier eine ganz besondere Qualität haben, sozusagen ‚unter einem bestimmten Stern stehen‘, mit dem wir uns dann auseinandersetzen, hinterfragen, reflektieren, spüren, verschmelzen, annehmen dürfen.

Es ist erstaunlich, wie viele Analogien sich zeigen, wenn Du Dir zu den Raunächten im kommenden Jahr Deine Tagebuch-Aufzeichnungen zu den vorangegangen Raunächten anschaust.

Nacht zum……steht für…Nacht zum……steht für…
25. DezemberJanuar31. DezemberJuli
26. DezemberFebruar01. JanuarAugust
27. DezemberMärz02. JanuarSeptember
28. DezemberApril03. JanuarOktober
29. DezemberMai04. JanuarNovember
30. DezemberJuni05. JanuarDezember
Jede Raunacht steht chronologisch für einen Monat im kommenden Jahr. Es lohnt sehr, in diesen Tagen in Ruhe und aufmerksam zu schauen, was sich an Gedanken, Wünschen und Bedürfnissen zeigt.

Raunächte -Tabula Rasa 2.0 pur

Wie in einem Karriere- und Persönlichkeitsentwicklungsprozess in einem Workshop oder Coaching fragen uns die Raunächte nach unseren Bedürfnissen, persönlichen Motiven, Zielen und Werthaltungen.

Unsere Wünsche und Bedürfnisse sind natürlich und menschlich (siehe auch mein Artikel zur Maslowschen Bedürfnisse-Pyramide in Corona-Zeiten im Überstrom-Blog). Nicht immer ist allerdings die Art und Weiße wie wir uns unsere Wünsche erfüllen und Bedürfnisse befriedigen wollen, sinnvoll und zielführend. So kann ich mir und anderen zum neuen Jahr Gesundheit und Glück wünschen (lassen). Daran zu glauben, dass ich durch das Aussprechen dieser Sätze allein, dauerhaft gesund und glücklich bin, ist allerdings ziemlich esoterisch.

Um z.B. dauerhaft gesund zu sein, muss ich/musst Du Verantwortung für Deine Gesundheit übernehmen.

Für Tabula Rasa 2.0 braucht es die Rückschau:

  • Was hab ich alles schon probiert?
  • Was hat gut funktioniert?
  • Was hat nicht so gut funktioniert?
  • Warum hat es nicht gut funktioniert?
  • Warum hat das, was gut funktioniert hat, gut funktioniert? …

Für Tabula Rasa 2.0 braucht es die Innenschau:

  • Wie zufrieden bin ich mit dem IST-Zustand?
  • Wofür bin ich dankbar?
  • Was brauche ich und warum?
  • Wie kann ich bekommen, was ich brauche?
  • Ist das wirklich wahr?
  • Was hindert mich daran, mein Ziel zu erreichen?

Für Tabula Rasa 2.0 braucht es den Blick in die Zukunft:

  • Wie fühlt es sich an, wenn ich mein Ziel erreicht habe?
  • Ist mein Ziel SMART, d.h. u.a. ist es realistisch? Ist es erreichbar? Ist es messbar? (Spätestens hier fällt das Ziel, dauerhaft glücklich sein zu wollen raus.) Ist mein Ziel für mich überhaupt attraktiv,…
  • Wer teilt meine Werte, Bedürfnisse und/oder Ziele und wie können wir uns gegenseitig unterstützen ?
  • Wie sieht mein Plan aus? Was sind meine ersten Schritte hin zur Zielverwirklichung?
  • Was/wer/wo sind meine Reminder?

12 Tage und Nächte für die Verbindung zu uns selbst

12 Tage und Nächte für diese und weitere Fragen lassen uns uns tief bei uns selbst ankommen und den ein oder anderen Wunsch, das ein oder andere Gefühl, als kontra-produktiv entlarven und im alten Jahr lassen. 12 Tage und Nächte in Verbindung, in Achtsamkeit und Wertschätzung mit uns selbst, ermöglichen es uns Achtsamkeit, Wertschätzung und Dankbarkeit zu üben und als Routine, als neue gesunde Verhaltensweiße mit ins neue Jahr zu nehmen und in den Alltag zu integrieren.

Und wenn Dich dieses Jahr das Hamsterrad nach einiger Zeit doch wieder einholt, dann hast Du zu Ostern (hier entlang zu Inspirationen zum Fasten zu Ostern) und spätestens mit den nächsten Raunächten wieder die Gelegenheit zu schauen.

Tipp: Um in Verbindung mit dir selbst und deinen Zielen, Wünschen und Bedürfnissen zu bleiben, bietet sich eine regelmäßige Yogapraxis an (hier entlang zu meinen Präsenz- und Online-Yogakursen). Der Yoga ist u.a. dafür entwickelt worden, dass wir unseren wahren Wesenskern entdecken können. Er bietet daher immer wieder die Innenschau an und verbindet Dich mit Dir.

(1) https://www.quarks.de/gesellschaft/braeuche-der-rauhnaechte/

Veröffentlicht von Dr. Kathrin Marter

Verhaltensneurobiologin, Systemische Beraterin, Wissenschaftsautorin, Dozentin, Yogalehrerin @ www.drkathrinmarter.org

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